Hitze, Hitze, Hitze

Veröffentlicht am 15.07.2021 in Ortsverein

An heißen Sommertagen schwitzt der Mensch. Die verdunstende Feuchtigkeit auf der Haut kühlt den Körper. Doch bei langanhaltenden hohen Temperaturen wird der Kreislauf äußerst belastet. Blut wird aus dem Zentrum zur Kühlung in die Aussenbereiche des Körpers gepumpt. Dadurch erweitern sich die Gefäße und der Herzschlag geht hoch. Die Folge kann ein Kreislaufkollaps sein.

Die Erwärmung des Stadtklimas hat in in vergangenen Jahren auch in Emmendingen immer mehr zugenommen. Höchste Zeit deshalb, dass jeder einzelne von uns aktiv wird. Wir alle können und müssen für weniger Erwärmung unserer Stadt im Sommer sorgen. Eine Untersuchung des Wetterdienstes zeigt, dass sich seit den 1980-er Jahren Phasen langanhaltender Hitze häufen. Die tagsüber kumulierte Wärme wird von Straßen und Gebäuden gespeichert und nachts abgestrahlt. Dieser „Wärmeinseleffekt“ führt zu ca. 10 Grad Celsius höherer Temperatur in den Städten im Vergleich zum Umland. Nicht unwesentlich zur Erwärmung des Stadtklimas tragen schwarze Straßenbeläge und Schottergärten bei. Letztere sind deshalb seit August 2020 in Baden-Württemberg verboten.

CO2 Bilanz

Bei mit Steinmaterial gepflasterten Flächen ist die Temperatur lange Zeit signifikant höher als bei begrünten Flächen. Wird dieser Entwicklung nicht gegengesteuert, werden zunehmend Klimaanlagen und Kühleinrichtungen in Häusern und Wohnungen Verwendung finden, welche den Stromverbrauch erhöhen und die Klimabilanz der Stadt verschlechtern. Pflanzen dagegen nehmen Hitze auf und sorgen durch ihren Wasseraustausch für Kühlung und ein ausgeglicheneres Klima. Pflanzen nehmen CO2 auf und produzieren Sauerstoff

Biodiversität

Auf den kahlen Flächen der Schottergärten finden Tiere weder Nahrung noch Unterschlupf. Pflanzen sind in Schottergärten prinzipiell unerwünscht.

Boden: Das natürliche Bodengefüge wird vernichtet oder zumindest stark beeinträchtigt. Der Boden verliert seine Funktion als Lebensraum. Fruchtbarer Boden wird vom Kies zusammengepresst und dadurch trocken, humus- und leblos. Der für das biologische Gleichgewicht wichtige Lebensraum der Klein- und Kleinstlebewesen wird dauerhaft zerstört.

Wasserhaushalt:

Schottergärten sind versiegelte Flächen, wenn bei der Anlage eine wasserundurchlässige Folie oder Beton verwendet wurde. Das Wasser muss an der Oberfläche ablaufen und wird nicht dem Grundwasser zugeführt. Bei Starkregen tragen sie zu Überschwemmungen bei, da das Wasser nicht in den Boden, sondern häufig auf die Straße fließt. Es landet schließlich ungefiltert und verschmutzt im Grundwasser. Selbst bei normalem Regen staut sich das Wasser und kann auch bei wasserdurchlässiger Unkrautfolie wegen Gewicht und Verdichtung der Steine schlecht abfließen.

Lebensraum von Lebewesen

Schottergärten bieten Insekten und Kleintieren wie Vögeln oder Reptilien kaum Nahrung oder Unterschlupf. Auch kleine Vorgärten haben einen positiven Effekt, da sie sich innerhalb eines Wohnbezirks und innerhalb der Kommune in Insekten- und Vogelaugen zu einer einzigen Fläche verbinden.

Luftqualität

In Schottergärten gibt es keine Pflanzen, die den Staub filtern. Dadurch verschlechtert sich die Luft- und damit die Lebensqualität.

Lärmbelastung

Der Lärm vorbeifahrender Autos und Geräusche werden durch den Schotter der Schottergärten verstärkt.

Klimabilanz

Die Steine in Schottergärten werden unter hohem Energieaufwand hergestellt und herangeschafft: Abbau und das Zerkleinern der Steine sind energieintensiv, der Transport trägt zusätzlich zur schlechten CO2 Bilanz bei. Zur Herstellung des Unkrautvlies werden fossile Ressourcen verbraucht und muss am Ende umweltbelastend entsorgt werden.

Karl-Ludwig Bath schreibt dazu:

Lieber Hanspeter,

danke für Eure Initiative! Die sommerliche Hitze wird offenbar immer ausgeprägter. Jetzt haben wir sie sogar schon im Juni.
Vielleicht interessiert Dich folgendes. Auch für Astronomen ist das Wärmeverhalten von Geländeoberflächen eine wichtige Angelegenheit. Ein Asphalt- oder Steinboden um ein Teleskop oder eine Sternwarte herum erwärmt nachts die umgebende Luft, was zu Luftturbulenzen und unscharfen Bildern führt. Bei Rasen in der Umgebung ist das erheblich weniger der Fall.

Eine Messung:
Mit einem Strahlungsthermometer habe ich hinter dem Haus mehrfach messen können, dass die Wiese tags und nachts um bis zu 10° (!) kühler ist als der gepflasterte Hof daneben. Den Astronomen ist das Phänomen natürlich bekannt.

Aktuelle Messung an einem Sonnentag
Kurz geschnittener Rasen       30°C    Hoher Rasen wäre noch besser.

Graue Pflastersteine daneben   40°C
Weißer Streifen darauf         37°C
Schatten                       30°C

Die Erklärung:

Rasen/Wiese besteht physikalisch gesehen aus unzähligen kleinen luftgefüllten Zwischenräumen. Die stellen eine hervorragende thermische Isolierung gegen den Untergrund dar, in beiden Richtungen. Bei Tag erwärmt die Sonne nur die oberste Schicht, also die von oben sichtbaren Grashalme. Die Wärme wird wieder abgestrahlt und gelangt nicht in den Boden. Eine Wärmespeicherung findet nicht statt. Bei Nacht strahlt die Wiese ebenfalls nach oben ab, bei wolkenlosem Himmel in den Weltraum. Dabei kühlt sich ihre oberste Schicht stark ab und es gibt keine aufsteigende Warmluft. Der darunter liegende Boden kann wegen der Wärmeisolation die Luft nicht erwärmen. Bei den grauen Steinen, der Straße usw., ist das anders. Die nehmen die Wärme tagsüber auf, speichern sie in der Tiefe und geben sie nachts wieder an die Luft ab.
Folgerung:

  • Am wirksamsten für die Stadt sind Rasen und Schatten (Bäume). 
  • Helle Oberflächen bringen weniger, sind aber besser als dunkle, wie Du schon schreibst.

Ähnlich ist es mit dem Wald bei sonnigen Wetterlagen. Nachts sinkt die oben im Blätterdach erzeugte kalte Luft nach unten, wo sie liegen bleibt. Bei Tag isoliert das Blätterdach die unteren Etagen gegen die Wärme, die kühlere Nachtluft bleibt unten. Deshalb ist es im Wald kühler als in der Umgebung.

Viele Grüße


Lutz

 
 

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