Inklusion an Denzlinger Kindertagesstätten

Veröffentlicht am 31.10.2023 in Kommunalpolitik

Informative SPD-Diskussionsrunde im AWO-Hort

„Wenn es nicht rund läuft …“ war der Untertitel der SPD-Veranstaltung „Inklusion in der frühkindlichen Bildung“ am 25. Oktober 2023 im Foyer des AWO-Horts in der Stuttgarter Straße in Denzlingen. Und Einiges läuft wohl nicht rund, wie die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Denzlingen, Elfriede Behnke in ihrer Begrüßung der etwa 25 Anwesenden feststellte. Nachdem sie herzliche Grüße des verhinderten Denzlinger Bürgermeisters Markus Hollemann überbrachte hatte, bedankte sie sich bei der Heilpädagogin Birgit Huslisti für die Anregung zu dieser Veranstaltung und die inhaltliche Vorbereitung sowie bei ihrer SPD-Vorstandskollegin Magdalene Kirchhoff für die Organisation. „Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Oder anders: Inklusion ist, wenn alles mitmachen dürfen. Egal, wie du aussiehst, welche Sprachen du sprichst oder ob du eine Behinderung hast.“, setzte Elfriede Behnke bereits einen Fixpunkt.

 

Auf großes Interesse stieß die SPD-Diskussionsveranstaltung zum Thema „Inklusion in der frühkindlichen Bildung“. Links die Heilpädagogin Birgit Huslisti. Fotos: Manfred Klimanski 

 

Anschließend führte Birgit Huslisti allgemein in die Thematik ein, wo derzeit Menschen mit Beeinträchtigungen, und hier insbesondere Kleinkinder, in der Gesellschaft stehen. Dabei schilderte sie verschiedene Stufen von Exklusion (Ausgrenzung) über Separation (Trennung, mit der für jede Art der Behinderung eine gesonderte Pädagogik geschaffen wird), Integration (mit zwangsläufiger Etikettierung der Betroffenen) bis hin zu einer Vision von Inklusion als Durchlässigkeit für alle Kinder, nichtbehinderte und behinderte unabhängig von der Art ihrer Behinderung oder anderer individueller Bedürfnisse. Sie wies in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf die Konvention der UN von 2006 hin, mit der die anerkannten, allgemeinen Menschenrechte uneingeschränkt auf die Situation von Menschen mit Behinderungen anzuwenden sind. Deutschland habe diese Konvention 2009 als rechtsgültig anerkannt. Damit seien Prinzipien wie Nichtdiskriminierung, Chancengleichheit, Selbstbestimmung und eben auch Inklusion zu gewährleisten neben vielen weiteren bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten. In einem weiteren Verständnis von Inklusion sei zu berücksichtigen, dass neben einer diagnostizierten Beeinträchtigung auch andere Faktoren zu einer Ausgrenzung führen könne wie zum Beispiel Armutslagen oder ein Migrationshintergrund. Wie sich auch aus der anschließenden Diskussion ergab, sei in diesem Zusammenhang ein Mehrebenenmodell außerordentlich wichtig. Bezugspunkte sollten dabei immer die Ausgangs- und Bedarfslagen der Kinder sein. Dazu notwendig seien mehrfach-qualifizierte Teams, aus deren gemeinsamer Arbeit das inklusive Konzept der Kitas, aber zum Beispiel auch der Schulen erwachse.

 

Barrieren abbauen

Evelyn Kratz, Fachbereichsleiterin für den kommunalen sozialen Dienst und für Eingliederungshilfe beim Landratsamt Emmendingen (LRA) führte aus, dass inklusive Bedingungen und Verhältnisse immer wieder deutlich erläutert werden müssen, weil sie nach wie vor nicht selbstverständlich seien. Dabei sollen sich alle Beteiligten im Klaren sein, dass Barrieren abgebaut werden müssen, im eigentlichen wie im übertragenen Sinne. Ihr sei sehr wohl bewusst, dass es nicht einfach ist, in den Kitas sowohl Kinder mit körperlichen, kognitiven wie auch zunehmend seelischen Behinderungen, letztere vor allem bei Kindern von Migrantinnen und Migranten, in eine Regeleinrichtung aufzunehmen. Kratz machte energisch auf das neue Teilhabegesetz aufmerksam, das viele zusätzliche Möglichkeiten für Eltern, Kinder und Einrichtungen biete. Sie unterstütze die Betroffenen gerne mit Rat und Tat. Fragen müsse man sich aber immer wieder neu, wieweit sich die Gesellschaft in dieser Angelegenheit öffne. „Wir müssen uns klar machen, dass wir in dieser Frage eine Verantwortungsgemeinschaft darstellen“, stellte sie fest. Aufgrund der im LRA Emmendingen bereits umgesetzten „großen Lösung“ – der Einbettung der Eingliederungshilfe für junge Menschen im System der Kinder- und Jugendlichenhilfe  seien dort zu diesem Komplex glücklicherweise kurze Wege vorhanden.

 

Groß war die Palette der angesprochenen Themen.

 

Probleme gemeinsam lösen

Dies wurde von ihrem Kollegen Alexander Lamy, dem Leiter des Amtes für familienbegleitende Hilfen beim LRA, bestätigt. Er machte insbesondere deutlich, dass die Angebote seiner Dienststelle frühzeitig genützt werden sollen. Dazu sei eine Beratungsstelle bei seinem Amt eingerichtet. Am wirksamsten sei es, sich dort unterstützen zu lassen, bevor eine Eingliederungshilfe für Familien notwendig wird. Dies sei auch auf einfachem Wege online möglich. Wie auch seine Kollegin Kratz appellierte er, dass sich Betroffene in Einrichtungen, aber auch Familien als Ganzes sowie pädagogische Fachkräfte an das LRA wenden sollen, weil dort mehr Möglichkeiten zur Unterstützung, Hilfe und Beratung vorhanden seien. „Mehr als Sie sich vielleicht denken mögen“. Und Evelyne Kratz ergänzte, an Erzieherinnen und Eltern gerichtet, dass sie sich nicht klein machen sollten, denn aus Sicht der direkt Betroffenen könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern andererseits beim LRA mit Vorstellungen und Vorschlägen unterstützt werden. Und ergänzte auf die Bemerkung aus dem Publikum, dass im Moment zu viele Baustellen in den Kitas vorhanden seien durch die Flüchtlinge aus der Ukraine zusätzlich zu den Migrantinnen und Migranten: „Wir müssen zusammenrücken, besser und intensiver gemeinsam handeln, die Probleme gemeinsam lösen!“

Aus dem diskussionsfreudigen Publikum wurden immer wieder die Gesprächswilligen auf den freien Stuhl neben der Referentin und dem Referenten gebeten, um die Inhalte zu ergänzen und zu hinterfragen. So wurde beklagt, dass es keinen Mangel an Konzeptionen auf allen Ebenen gäbe, aber ein Personalmangel damit nicht behoben würde. Dazu kam ein Vorschlag, einen Fachkräftemangel dadurch zu verkleinern, dass zum Beispiel hauswirtschaftliche Tätigkeiten in den Kitas auch durch nichtqualifizierte Mitarbeitende erledigt werden könne. Mit dem sogenannten Erprobungs-Paragraphen soll den Trägern die Möglichkeit eingeräumt werden, in Einzelfällen auf Antrag von den Bestimmungen der Rechtsgrundlagen für die Kitas abzuweichen und damit zum Beispiel auch Kräfte, die nicht im Fachkräftekatalog stehen, einzustellen, erläuterte Alexander Lamy und erfuhr sofort heftigen Widerspruch. Die Erzieherinnen im Publikum konnten sich das nicht vorstellen, sonst wäre „ihre Ausbildung abqualifiziert“ und die Gefahr groß, dass einige Arbeitgeber einen solchen Ausweg ausnützen. Damit wäre dem Thema des heutigen Abends ein Bärendienst erwiesen. Eine Frage des Denzlinger AWO-Vorsitzenden Jürgen Kaufmann, wie denn die Situation an den Denzlinger Kitas in Sachen Inklusion insgesamt auf einer Skala von minus fünf bis plus fünf zu bewerten sei, konnte hingegen leider nicht beantwortet werden.

 

Lebendige und ertragreiche Diskussion

Nach einer insgesamt zweistündigen, lebendigen und auch ertragreichen Diskussion, durch die Birgit Huslisti zurückhaltend führte und den jeweiligen Stand stets an einer Pin-Wand mit entsprechenden Karten ergänzte, bedankte sich Elfriede Behnke für die vielen Beiträge und die erfreulich sachliche und stets an der Thematik orientierten Diskussion. Sie sicherte zu, dass die Denzlinger SPD im Gespräch mit den Einrichtungen bleibe und zu klären versuche, was notwendig sei und wie Defizite beseitigt werden können. Und zur Überraschung aller gab es noch eine Rose für die überwiegend weiblichen Anwesenden.

Manfred Klimanski

 

 

Lebhafte und ertragreiche Diskussion: Jürgen Kaufmann vom SPD-OV-Vorstand (links) im Gespräch mit den Referent*innen.

 

 

Homepage SPD Denzlingen

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